Gesundheit heute
Kann man jemandem nach einem Schlaganfall als gesund bezeichnen, obwohl noch einige Einschränkungen vorhanden sind? Ist die Abwesenheit von Krankheit die einzige Maxime, an der sich Gesundheit messen lässt? Welche Voraussetzungen erhalten die Gesundheit?
Bereits 1986 entwickelte die WHO (Weltgesundheitsorganisation) eine umfassende, ganzheitliche Definition des Gesundheitsbegriffs. Erst heute – über 30 Jahre später – setzt sich dieses Verständnis langsam im Bewusstsein der Menschen und im Angebot des Gesundheitssektors durch.
Gesundheit
Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen. Um ein umfassendes körperliches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. sie verändern können. In diesem Sinne ist Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel.
Gesundheit als Zustand des Wohlbefindens ist eine Übersetzung des englischen wellbeeing, bzw. wellness. Der heute so inflationär gebrauchte Wellnessbegriff bezeichnet also ursprünglich ein ganzheitliches Gesundheitskonzept, das die körperlichen, emotionalen, intellektuellen, spirituellen, sozialen, beruflichen und ökologischen Dimensionen des Lebens eines Menschen in Beziehung setzt.
Der Mensch wird heute als ganzheitliches, sich selbst regulierendes und auch sich selbst aktualisierendes System gesehen. Er muss möglichst allen Dimensionen seiner Existenz gerecht werden, um gesund zu sein. Aus einer inneren Notwendigkeit heraus entwickelt er sein Potential. Damit wird Gesundheit eine Frage des Lebensstils und der ganzheitlich verstandenen Lebensqualität. Spirituelle Faktoren wie Werte, persönliche Sinngebung und Lebensziele spielen dabei eine zentrale Rolle.
Vor dem Hintergrund dieses Verständnisses bedeutet Gesundheitsförderung natürlich weitaus mehr als nur regelmäßige Tablettengaben. Auch hier hat die WHO bereits 1986 ein Programm entwickelt:
Gesundheitsförderung
Gesundheitsförderung unterstützt die Entwicklung von Persönlichkeit und sozialen Fähigkeiten durch Information, gesundheitsbezogene Bildung sowie die Verbesserung sozialer Kompetenzen und lebenspraktischer Fertigkeiten. Sie will dadurch den Menschen helfen, mehr Einfluss auf ihre eigene Gesundheit und Lebenswelt auszuüben. Ziel dieser Bemühungen soll ein Wandel der Einstellungen und der Organisationsformen sein, die eine Orientierung auf die Bedürfnisse des Menschen als ganzheitliche Persönlichkeit ermöglichen.
Somit fällt unter Gesundheitsförderung auch die Förderung von Haltungen und Verhaltensweisen, die zu einer erfahrbaren, momentanen und nachhaltigen Lebensqualität und zu Wohlbefinden führen und einen langfristig gesunden Lebensstil schaffen. Gesundheit bleibt dabei ein Prozess, der sich den einzelnen Lebens- und Entwicklungsphasen entsprechend gestaltet.